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Zweiter Weltkrieg, 24. April 1945


>> Durchmarsch der Amerikaner durch die Stadt Hemau... (Video)

im Kontext:
Stimmungsbericht über die Bevölkerung von Hemau vor und nach der Besetzung,
13. Mai 1945 (Zeitzeugenbericht-Originalabschrift)

Die Stimmung der Bevölkerung vor der Besetzung der Stadt Hemau war allgemein als gedrückt zu bezeichnen. Das Gespenst der Vernichtung des kleinen, ruhigen Landstädtchens lag wie ein Alpdruck auf den Gemütern der Einwohnerschaft. Allgemein hieß es, dass die SS die Stadt verteidigen werde und dass es dann nichts mehr anders gäbe als Vernichtung, war bereits in jeder Munde.

Zum Schluss machte ein junger Stadtkommandant die Aufregung noch fertig, indem dieser etwa 200 Mann aus verschiedenen Wehrmachtsteilen zusammenzog und diese Kräfte zur Verteidigung bereitstellte. Als plötzlich nachts 2 Uhr, in der Nacht vor der Besetzung der Stadtkommandant mit seinen Soldaten aber abzog, war die bestehende Aufregung mit einemal gewichen, wusste man doch, dass der Stadt nichts passieren würde und dass die amerikanischen Truppen ungehindert einziehen könnten. 4 Mann, die noch zurückgeblieben waren, um die Panzersperren zu schließen, wurden nicht ernst genommen. Die Panzersperren wurden zwar geschlossen, doch durch ein paar beherzte Männer wurden die Hindernisse beseitigt.

Innerhalb kurzer Zeit konnte erreicht werden, dass die Baumstämme, die in die Straße eingelegt wurden, wieder entfernt wurden. Als die amerikanischen Truppen einzogen, fanden sie kein Hindernis mehr vor. Die Bevölkerung hat taktvoll der Besetzung zugesehen, zum Teil wurde der Besatzung durch Tücherschwenken usw. Genugtuung geleistet.

Die Einwohnerschaft stellt sich geschlossen hinter die neue Militärregierung und geht ruhig und gelassen ihrer Arbeit nach.

Allgemeine Literaturhinweise:
Sendlbeck, Johannes: Die Garnison Hemau und das Raketenartilleriebataillon 42 im Kalten Krieg, Zulassungsarbeit 2008. (Stadtarchiv Hemau)
Schuster, Hans: Vom Leben auf dem Tangrintel. Ein heimatgeschichtliches Lesebuch. Hemau: Buchverlag der Tangrintler Nachrichten, 2001, S. 207 ff.